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„Dialog mit dem Planeten“

Neue Gemälde von Kevin A. Rausch führen den Weg fort, den der Künstler seit Beginn seines Schaffens eingeschlagen hat. Seine Haltung entspricht einer zutiefst -dem Medium, in seinen Grundzügen verbundenen- malerischen Praxis. Dabei haben der unmittelbare Malprozess, die dadurch entstehende kompositorische Anlage und die malerische Atmosphärik im Hell-Dunkel den Vorrang gegenüber einer konkreten Bildvorstellung, womöglich noch mit gegenstandsbezogener Ausrichtung. Rausch ist Maler um der Malerei willen. Daraus resultiert eine abstrakte Grundstruktur. Die Farbe fügt sich keiner formalen oder figurativen Ordnung unter, das Geviert erscheint abstrakt gestaltet. Sein Abstraktionsbegriff schließt jedoch Momente des Natürlichen mit ein. Es entstehen Bilder "parallel" zur klassischen Landschaftsdarstellung.

Rausch filtert aus dem Landschaftlichen gleichsam elementare Qualitäten wie den Raum, dessen Atmosphäre und das Licht-Schatten Spiel. Dieser Hell-Dunkel Epilog dominiert vor allem seine aktuellsten Werkbeispiele.

Bestimmendes Thema in Rauschs dramatischen wie flamboyanten Werk ist die Entfremdung des heutigen Menschen von seinem „Planeten - Erde“.

Diese Entwicklung wurde dadurch hervorgerufen, dass in unserer „aufgeklärten“ Gesellschaft das komfortorientierte Denken eine vermeintliche Position der obersten Instanz, die zuvor dem unbekannten „Höheren“ vorbehalten war, eingenommen hat. Diese Entfremdung "malt" Rausch als Ursache der Probleme der heutigen Menschheit. Sowohl der Umweltzerstörung, die durch die von der Wissenschaft ermöglichte Technisierung der Ökonomie hervorgerufen wurde, also auch der ehemaligen Industrialisierung, der die Vorstellung einer wissenschaftlich organisierten Gesellschaft zugrunde liegt, lähmen den einzig echten kontinuierlichen Fortschritt oder vielmehr Bestand des heutigen Individuums. Die Landschaften von Kevin A. Rausch suggerieren „Eiszeit“ & sind geprägt von einer gewissen Erbarmungslosigkeit. Diese wirkt auf den Betrachter aber nicht zwangsläufig negativ. Ganz im Gegenteil: beginnt das betrachtende Auge Dinge abzuscannen, die es kennt-, seit Generationen kennt...., in einem quasi kollektivem Unterbewusstsein.

Die Kunstgeschichte ist mit Apokalypsen in der Malerei einigermassen reich gesegnet. Es ist an dieser Stelle nicht möglich umfassend Beispiele dafür anzuführen.Der Besucher des Prado in Madrid wird den Garten der Lüste von Hieronymus Bosch sicher - zwecks Besichtigung- in eine engere Wahl nehmen. Dieses sinnlich irdische Paradiesbild, welches uns die Vorstufe der Höllenqualen näherbringen möchte, hat ein schwimmendes Fruchtschiff zum zentralem Thema, welches ein Menschenpaar birgt. Ein Symbol für eine bessere Welt ? !

Auch Rausch lässt die Welt in seinen zwar gegenständlichen, jedoch nicht einfach zugänglichen, teilweise düster-verstörenden Werken erkennen. Seine Tiere oder menschliche Figuren schweben durch seltsam „frierend“ anmutende Landschaften, seine rätselhaften Erzählungen finden an verschiedenen Orten statt. Nicht das Aufbrechen zu neuen Ufern wird thematisiert sondern das, bedingt durch die eigene Unzulänglichkeit, „stumpfe“ dahingetrieben werden ohne Ziel & Steuermann.

Insgesamt handelt es sich also um eine einzige niemals unterbrochene Gedankenlinie, die als einigendes Band die Spur assoziativer Reflektionen ist. Ein Beispiel: Los, Lust, Verlust. Es ist in diesem Sinne kein unbeabsichtiges Phänomen, dass einen seine Arbeiten in eine Form des Staunens versetzen.

Karl A. Irsigler



„Dialogue with the Planet“

Kevin A. Rausch’s new paintings continue the way the artist took at the beginning. His attitude corresponds to a painting practice which is deeply devoted to the medium, and its main features. The immediate process of painting, the compositorial arrangement as a result of this, and the pictorial atmosphere of light-and-dark have priority to a concrete image, possibly even with a figurative note. Rausch is a painter for the sake of painting, thus the result is an abstract basic structure. Paint / colour is not submitted to a formal or figurative order, the square seems to be designed (framed) in an abstract way. His concept of abstraction, however, includes moments of the natural: Pictures that are „parallel“ with the classical landscape depiction (image) emerge.
From this landscape-like, Rausch filtrates elementary properties, so to speak, like space, its atmosphere and the play with light and shadows. This lights-and-darks epilogue dominates his most recent works, especially.

A defining topic within Rausch’s dramatic, as well as flamboyant work is mankind’s current alienation from his „Planet Earth“.
This trend was caused due to the fact that in our „enlightened“ society a way of thinking that is primarily convenience-oriented is ranked as supposedly ultimate authority, a position that used to be associated with the unknown decree of fate. Rausch „depicts“ this kind of alienation as the reason for today’s mankind’s problems: for ecological destruction which was caused by a mechanization / computerization of ecology based on scientific developments, as well as the former industrialization, which is based on the concept of society driven by the sciences; both paralyse the only real constant progress, or rather: inventory, of the contemporary individual. Kevin A. Rausch’s landscapes suggest an „Ice Age“ and are coined by a certain absence of mercy. However, this isn’t necessarily perceived as something negative by the viewer; quite the contrary: the observing eye starts to scan things it knows, has known for generations … in a kind of collective subconsciousness.

In art history apocalypses are a more or less popular topic in paintings, so it’s not possible to give a comprehensive set of examples of these here. Visitors of the Prado Museum in Madrid will most probably think of, and see, the Garden of Earthly Delights by Hieronymus Bosch. This voluptously earthly image of paradise that anticipates the a agonies of going through purgatory, shows a floating ship made of fruit which salvages a couple. A symbol for a better world?!

Also in Rausch’s figurative, but nevertheless by no means easily legible, and partly drearily disturbing works the world can be revealed. The animals and human figures seem to hover through strangely „freezing“ landscapes; his enigmatic stories happen in different places. It is not about setting out to new journeys, but – due to one’s own deficiency – about drifting bluntly, without aim (destination) and helmsmann.

In all, we are dealing with one continual line of thoughts which, a uniting bond, is the trace of associated reflections. One example: fate, passion, loss. In this sense, it is not an unintentional effect that his works seem to astonish us.

Karl A. Irsigler