see english version

„Eine Berührung der Wirklichkeit“

Eine Berührung der Wirklichkeit
Vermutlich war der 1980 in Wolfsberg (Kärnten) geborene Künstler schon als Kind auf die Bilder in seinem Kopf fokussiert, auf das Überschreiben vorgegebener Wahrnehmungen, wie sie z.B. in Schulbüchern präsentiert werden. Und so dienten ebendiese bald als Skizzenhefte und trugen zur Befreiung von Klischees und vorgegebenen Denkmustern bei. Und wenn man schon beginnt, über Grundsätzliches nachzudenken, dann gründlich! So oder so ähnlich hat Kevin Rausch vielleicht schon als Kind gedacht und dann begonnen, Weltenzustände, Prozesse und Kulturen malerisch zu untersuchen. Dabei halfen ihm die Disziplin, die seine Großmutter ihn lehrte und das Hinter-ihm-Stehen der Mutter – und später die Ausbildung in der Kunstschule Wien. Mit der war es aber dann auch schon gut, denn weiteren strukturierenden und prägenden Einflüssen (z.B. an einer Akademie) wollte er sich dann doch nicht aussetzen.

Und so werden wir heute mit teils betörenden, teils melancholischen, aber auch irritierenden Bildern konfrontiert. Schwarz und Weiß spielen oft die Hauptrolle und so ist selten rasch zu erkennen, von was erzählt wird, von welcher Grundstimmung es handelt. Denn es werden Geschichten erzählt, wenngleich viele „abstrakte“ Elemente vorkommen. Doch was meint figurativ oder abstrakt in diesem Zusammenhang? Ist Emotion etwas Abstraktes? Bedeutet eine Figur im Bild, dass es sich um einen Protagonisten in einer Erzählung handelt? Landschaften sind fast immer erkennbar, aber ob die auf unserem Planeten vorkommen oder ob wir eher geneigt sind, sie an einen anderen Ort im Universum zu verlegen – oder mindestens doch in eine in ferner Zukunft liegende Zeit – das bleibt oft dem Betrachter überlassen. Wir haben Landschaften vor uns, die kaum den Phantasien zur nächsten Urlaubsplanung entspringen, sondern an Alpträume erinnern könnten: Eis, Schnee, Brachlandschaften, viel Unheimliches. Erde und Luft, Feuer und Wasser scheinen in Aufruhr und schwer kontrollierbar zu sein. Der Mensch sucht sich unter Qualen seinen Platz in dieser verwüsteten Ödnis.

Aber dennoch ist Rausch mit seinen Gemälden weit entfernt von Humor- oder Hoffnungslosigkeit oder auch vom Fehlen romantischer Elemente: Plötzlich schmücken wunderhübsche Seerosen und ein früchtetragender Baum die Landschaft in der Schneeschmelze. Die Welt scheint sich wieder zu öffnen und ihre schönen Seiten zeigen zu wollen, obwohl der Mensch mit seiner rastlosen und unersättlichen Ausbeutung der Erde am mächtigsten daran arbeitet, genau jene Ressourcen, die substantiell notwendig für unser Überleben, für Hoffnung und Schönheit sind, zu zerstören. Vielleicht sind es genau die weiten, offenen Räume in den Bildern, die uns nicht glauben lassen wollen, am Horizont sei das Ende!

Auch wenn sich Kevin Rausch vor allem als Maler und Zeichner begreift – viele andere Medien hinterlassen Spuren in seinem Werk. Musik spielt eine wichtige Rolle und so kann es passieren, dass man als Besucher in Kevins Atelier folgende Zeilen von Peter Thiessen, (Vokalist und Songschreiber der punkigen deutschen Gitarrenrockband „Kante“) hört: „Wir laufen durch die Straßen / und wir sind überall / in den Grau- und Zwischenzonen / wo die Umrisse verschwimmen / wir sind schillernde Gestalten / die die Lichter reflektieren“.
Nach seinem „roten Faden“, seinen Prinzipien gefragt, antwortet der Künstler ganz unpessimistisch: „es entsteht eigentlich alles aus einem Prozess heraus, nie habe ich ein Bild im Kopf wenn ich zu arbeiten beginne, vielleicht eher ein Gefühl welches nach unbestimmter Zeit Form annimmt. Der rote Faden ist eigentlich das TUN, es ergeben sich Symbiosen aus Landschaft, Mensch, Tier, Science Fiction etc, aber immer aus dem TUN heraus.
Malerei um der Malerei willen.



„an encounter with reality“

Born in Wolfsberg (Carinthia) in 1980, probably when he was still a child the artist was already focusing on the images in his head, on the overwriting of prescribed perceptions such as those presented in school books. And so precisely these were soon serving as sketchbooks and contributing to the liberation from clichés and prescribed patterns of thinking. And if one has already started thinking about fundamentals, then do it thoroughly! As a child Kevin Rausch was perhaps thinking in this or a similar way, and then started to use painting to investigate world situations, processes and cultures. Here the discipline his grandmother taught him and his mother standing behind him just helped him – and later the training in the Vienna School of Art. That was good enough then, because he did not want to expose himself to any further structuring and formative influences (e.g. at an academy).

And so today were are confronted with partly beguiling, partly melancholy, but also irritating pictures. Black and white often play the main role, and in this way what is being narrated, what the underlying mood is, can seldom be quickly recognised. Because stories are being told, even if there are many „abstract” elements. But what does figurative or abstract mean in this context? Is emotion something abstract? Does a figure in the picture mean that it is a protagonist in a narrative? Landscapes are almost always recognisable, but whether they exist on our planet or whether we are rather inclined to transfer them to another place in the universe – or at least to a time far in the future – this is often left to the observer. We have landscapes in front of us that hardly originate from fantasies of the next holiday planning but are reminiscent of nightmares: ice, snow, fallow landscapes, a great deal uncanny. Earth and air, fire and water appear to be in uproar and uncontrollable. It is with great difficulty that a human finds his or her place in this desolate wilderness.

But nevertheless, in his paintings Rausch is far from humourlessness or hopelessness or from the absence of romantic elements: suddenly, beautiful water lilies and a fruit-laden tree adorn the landscape in the thaw. The world seems to open up again and to want to show its beautiful side again, although humanity, with its restless and insatiable exploitation of the earth is working most strenuously to destroy precisely the resources that are substantially necessary for our survival, for hope and beauty. Perhaps it is the wide open spaces in the paintings that will not allow us to believe that the end is on the horizon!

And if Kevin Rausch sees himself above all as a painter and draughtsman –there are traces of many other media in his work. Music plays an important role, and thus it can happen that as a visitor to Kevin’s studio one hears the following lines from Peter Thiessen (vocalist and songwriter in the German punk-rock band „Kante”): „We run through the streets / and we are everywhere / in the grey and in-between zones / where the outlines blur / we are shimmering figures / that reflect the lights”
Asked about his „red thread”, his principles, the artist answers quite unpessimistically: „Actually it all develops out of a process, I never have a picture in my head when I start working, perhaps rather a feeling, which after an indefinite time assumes a form. The red thread is actually the DOING, symbioses arise from landscape, person, animal, science fiction etc, but always out of the DOING.
Painting for the sake of it.

Lioba Reddeker, Salzburg 2010
curator Hangart 7, Red Bull Collection