see english version

Spurensuche.
Was mich an der Kunst von Kevin A. Rausch wirklich interessiert, ist, was er NICHT…

I.

„Wir laufen durch die Straßen
und wir sind überall
in den Grau- und Zwischenzonen
wo die Umrisse verschwimmen
wir sind schillernde Gestalten
die die Lichter reflektieren“

So singt Peter Thiessen, der Vokalist und Songschreiber der punkigen deutschen Gitarrenrockband „Kante“. Eine CD, die ich von Kevin A. Rausch habe. Und Kevin ist sicher eine der „schillernden Gestalten“. Einer aus der „Grau- und Zwischenzone wo die Umrisse verschwimmen“. Und was mich an der Kunst von Kevin A. Rausch wirklich interessiert, ist, was er künstlerisch NICHT ,,,“. Er ist Maler. Er macht Objekte. Installationen. Er macht 8mm-Filme. Videos. Musikvideos. Und er spielt die „Quetschen“, eine alte Harmonika, die er von seinem Großvater geerbt hat. Er spricht viel von seinen Großeltern. Vor allem von seiner Oma aus Wolfsberg in Kärnten. Manches Biographische fließt in seine Kunst ein. Lebenshaltung und Weltsicht.

II.

Ob Kevin auch Lyrik schreibt, weiß ich nicht? Ich kann es mir vorstellen. Seine großformatigen Bilder sind gemalte Lyrik aus der „Grauzone“. Lyrische Zwischenschichten. „SHhadeDE DAS BETON NICHT BRENNT…“ Was mich an der Kunst von Kevin A. Rausch wirklich interessiert, ist, was er künstlerisch NICHT MACHT. Prosa schreibt er. „Sober Day“. Zu seinem Nagel-Video Musik der Gruppe Mr. Bungle, „ok musik, nagel und ich ich derjenige welch eine kreative lösung gefunden hat, glaubt es so…“.

III.

„zwischen Spuren, Spuren verwischen“

Unter diesem Titel präsentiert Kevin A. Rausch in einer Atelierschau neueste Arbeiten. „Taubenflüsterer“, eines seiner bemerkenswerten neuen Bilder. Großmutter im Endzeitpark. Und da zeigt er seine weißen Sockenobjekte. Sockensträucher und ein schwarzer Sockenbaum. Die Socken bekommt er aus der Volkshilfe-Kleidersammelbox. Kunst als Recycling. Und die wohl gewaschenen Socken tragen noch Spuren vom Leben. Arbeit. Schweiß. Wir sind alle auf der Reise. Und Kevin A. Rausch als Künstler ist Beteiligter und Beobachter zugleich. „zwischen Spuren“. Und: „spuren verwischen“. Ein genagelter Experimentalfilm. Kevin: „ich mache mir nicht so viele gedanken, warum ich etwas mache. Ich mach es einfach!“ Was mich an der Kunst von A. Rausch wirklich interessiert, ist – aber das sagte ich ja schon.

„Pure Vernuft darf niemals siegen
Wir brauchen dringend neue Lügen
Die uns den Schatz des Wahnsinns zeigen
Und sich danach vor uns verbeugen“
Der Gesang von „Tocotronic“ klingt durchs Atelier.

„Wir sind so leicht, dass wir fliegen“

Dieter Schrage

Tracing traces.
What really interests me about Kevin A. Rausch’s art is what he DOESN’T …

I.

We walk the streets
we are everywhere
– in the twilight and in-between zones
where silhouettes become blurred
we are lucent (dubious) figures
reflecting the lights.

These lines are sung by Peter Thiessen, vocalist and song-writer of the German punk-guitarist rockband „Kante“. A CD I got from Kevin A. Rausch. And Kevin is definitely one of these „lucent figures“; one from the „twilight and in-between zone where silhouettes become blurred“. And what really interests me about Kevin A. Rausch’s art is what, artistically, he DOESN’T „“. He is a painter; he makes objects; installations; he makes 8mm films; videos; music clips. And he plays the „Quetschn“ (Austrian term for accordion), an old harmonica which he inherited from his grandfather. He talks a lot about his grandparents, especially about his grandma in Wolfsberg in Carinthia. Many a biographical detail enters his art; his attitude towards life and world view.

II.

I don’t know if Kevin also writes lyric poetry. I could imagine so. His large-format pictures are painted lyrics from the „twilight zone“. Lyrical in-between layers. „SHhadeDE DAS BETON NICHT BRENNT…“ (A pity that concrete doesn’t burn.) What really interests me about Kevin A. Rausch’s art is what he DOESN’T DO, artistically. He writes prose: „Sober Day“. Music by Mr. Bungle accompanies his nail video; „ok music. nail and I, I the one who found a creative solution, believes it …“

III.

„zwischen Spuren, Spuren verwischen“ / „between traces, obliterating traces“

Kevin A. Rausch shows recent works in a studio presentation carrying this title. „Taubenflüsterer“ – one of the most remarkable new paintings. His grandmother in an end-time park. And he shows his objects made with white socks; sock bushes and a black sock tree. He gets the socks from an old clothes collection box of the Volkhilfe. Art as a form of recycling. The clean socks still show traces of usage, of life. Work; sweat. We are all on a journey. Kevin A. Rausch, the artist, is participant and observer at the same time. „between traces“ and „obliterating traces“. A nailed experimental film. Kevin: „I don’t think about why I do something. I just do it!“ What really interests me about Kevin A. Rausch’s art is – well, I’ve already said what.

„Pure reason may never triumph
we urgently need new lies
to show us the treasure of deliriousness
and then bow to us“
Tocotronic sounds through the studio

„We are so light that we can fly.“

Dieter Schrage